Es ist warm. Momentan ist es wirklich unerträglich warm, nicht nur, weil die Temperaturen hoch sind, nein, sondern auch, weil die Luft drückt, es ist schwühl. Bei solchen Witterungsverhältnissen mag auch Bella nicht mehr als nötig laufen, unter anderem auch, weil der Asphalt brüllend heiß ist und ihre kleinen, zarten Pfoten (aber auch die Pfoten eines erwachsenen Hundes) dafür nicht wirklich geeignet sind.
Ihr Mittagsspaziergang führte sie heute erst nicht sonderlich weit: Sie betrachtete neugierig die Wiese vor dem Haus, zog in Richtung schaffen, setze sich und ließ sich dann fallen. Schwupps, da lag sie. Umgeben von summenden Fluginsekten und sich vom lauen Lüftchen minimal bewegender Blumen und Gräser. Christian und ich unterhielten uns, er hatte sie an der Leine, da ich weg musste, und wollte mich gemeinsam mit ihr kurz zum Auto begleiten, in dem ein ganzer Sack Welpenfutter auf Bella wartete. Plötzlich rupfte die vorher so entspannt liegende Bella an ihrer Lederleine, drückte ihren Kopf auf den Boden, rieb sich mit den Vorderpfoten die Nase. Wir waren uns nicht sicher, ob sie einen Grashalm eingeatmet hatte (was durchaus denkbar gewesen wäre), oder sie etwas gestochen hatte.
Eineinhalb Stunden danach kam ich wieder nach Hause - und wusste nicht, was ich machen sollte: Lachen oder Weinen?
Christian, leicht verzweifelt, hatte sie schon mit Eiswürfeln gefüttert und gehofft, damit Erste Hilfe geleistet zu haben. Doch Bella sah immer mehr aus wie ein halbseitig bekämpfter Boxer nach 20 Runden im erbarmungslosen Ring: Ganz offensichtlich hatte sie etwas gestochen und ihre rechte Wange wurde langsam aber sicher kugelrund.
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| Nicht so gut zu erkennen, aber doch ein wenig: Die anschwellende Wange. |
Was macht man nun, als quasi frisch gebackene Welpenmama, wenn man nicht in Panik geraten will, das kleine Tier auch nicht mit einem vielleicht unnötigen Tierarztbesuch stressen möchte, aber dem Liebling dennoch helfen will?
Sie ließ sich aufgrund des Stichs natürlich nicht gerne anfassen, denn ganz offensichtlich tat die Stelle weh. Dennoch habe ich ihr Maul geöffnet, indem ich einen meiner Finger vorsichtig hinten im Kiefer zwischen Ober- und Unterkiefer in die (für immer) zahnlose Lücke hinter dem letzten Backenzahn schob, sodass sie ihr Maul automatisch öffnen musste. Danach habe ich die geschwollene Schleimhaut von innen nach einem Stachen durchsucht und wurde tatsächlich auch fündig: In der Mundschleimhaut steckte (schätzungsweise) ein Bienenstachel samt Po. Ich habe den Stachel gezogen, damit dieser sich nicht tiefer in die Schleimhaut graben oder gar eine Entzündung auslösen konnte. Danach bekam sie, weil sie so brav still gehalten hatte, einige Leckerchen (die sie glücklicherweise auch direkt auffraß - weigert der Hund sich, etwas zu essen, sollte man unbedingt schnellstmöglich zum nächstgelegenen Tierarzt fahren!) und einen weiteren Eiswürfel, um die Schwellung zu kühlen. Danach wickelte Christian einen Kühlakku in ein Küchenhandtuch ein und ich nahm Bella auf den Schoß, damit ich ihre Wange weiter kühlen konnte und sie beruhigt einschlafen konnte. Ungefähr eine Stunde später war sie wieder fit, die Schwellung ging zurück und, damit sie noch ein bisschen Spaß und Kühlung gleichzeitig hatte, füllten wir eine kleine Wanne mit kühlen Wasser für sie. Sie plantschte wie verrückt und ihre gesamte Körpertemperatur sank, ihr Herzschlag wurde wieder ruhiger und die Schwellung ging weiter zurück.
Worauf man bei Bienen-, Wespen-, Hornissen- und (eher seltenen) Hummelstichen jedoch unbedingt achten sollte, sind folgende Punkte:
- Ist der Stich im Mund, also in der Mundschleimhaut, oder ist er außen? Entsprechend muss der Stachel gesucht, gefunden und gezogen werden.
- Schwillt die Schleimhaut an? Eine Kühlung der Schleimhaut kann helfen, die Schwellung zu beseitigen.
- Schwillt die Zunge an? Bei "Ja" auf zum Tierarzt!
- Fällt der Hund in eine Art komatösen Zustand, reagiert nicht mehr auf Leckerchen, Wasser oder die Stimme seines Haltes? Bei "Ja" auf zum Tierarzt!
Ich hoffe sehr, dass Bella (auf wenn sie mit einer dicken Wange ja schon irgendwie niedlich und lustig aussah) nicht noch öfter in Fluginsekten beißen wird, weil wir dieses Mal noch sehr glimpflich davon gekommen sind. Abends ging es ihr glücklicherweise schon wieder so gut, dass sie auf der Wiese mit ihren Hundefreunden toben konnte.

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