Im Gegensatz zu Christian hatte ich ja schon Hunde in meinem Leben, wenngleich Bella mein erster Welpe ist. An den ersten Familienhund, Leika, kann ich mich leider nicht mehr erinnern, denn ich war damals viel zu klein. An den zweiten Hund, Boris, einen Riesenschnauzer-Bouvier-Mischling, kann ich mich noch ganz gut erinnern - er sah aus wie ein Schaf, wog gut 60 Kilogramm und war ein sanfter Riese. Doch der dritte Hund war der mir wichtigste, denn im Laufe der Jahre wurde er zu meinem Hund.
Daher darf ich vorstellen:
Das war Jimmy.
Jimmy wurde am 2. Januar 2001 geboren und kam ca. eineinhalb Jahre danach in unser Zuhause.
In den ersten eineinhalb Jahren seines jungen Lebens wurde er viel herumgereicht: Er muss ungefähr sechs verschiedene Besitzer gehabt haben, die ihn allesamt immer und immer wieder zurück ins Düsseldorfer Tierheim brachten. Unter anderem war darunter wohl eine Dame, die weit oben in einem Mehrfamilienhaus wohnte und wenig Lust darauf hatte, mehrfach täglich mit ihm vor die Tür zu gehen. Es wurde außerdem vermutet, dass er sich ein paar Wochen alleine draußen herum geschlagen hatte und sich selbst ernähren musste.
Jimmy war das, was man allgemein als Problemhund bezeichnet: Er war in Bezug auf viele verschiedene Situationen sehr ängstlich, reagierte teilweise aber auch aggressiv (eben aufgrund seiner Ängste) und hatte nur wenig Benehmen gelernt.
Beispielsweise sprang er immer begeistert an Neuankömmlingen hoch und freute sich wahnsinnig, jemanden zu sehen (was Bella übrigens auch macht) - mit seinen ca. 25 Kilogramm Lebendgewicht war das manchmal ganz schön überwältigend. Im Tierheim, seinem letzten Tierheimaufenthalt bevor wir ihn aufnahmen, hatte er einer Pflegerin in absoluter Begeisterung, sie zu sehen, versehentlich einen Zahn ausgeschlagen.
Aufgrund seines Verhaltens konnten wir von folgenden Dingen ausgehen: Er muss von Kindern geschlagen worden sein (auf Kinder reagierte er relativ aggressiv, zumindest war er kein Freund von ihnen), vermutlich mit Gegenständen wie kleinen Surfbrettern und Regenschirmen, scheint schlechte Erfahrungen mit rauchenden Jugendlichen gemacht zu haben, aber wurde wohl auch mit bloßen Händen verprügelt - sobald man einen Arm auch nur ein wenig hob, schmiss er sich auf den Boden.
Leinenführigkeit hatte er so gar nicht gelernt - und das haben wir auch nie vollständig bewältigt. Er zog wie verrückt, sobald er angeleint war, sodass wir ihm ein Halti kaufen mussten, um ihn überhaupt festhalten zu können. Viele Leute hielten Jimmy aufgrund des Haltis für gefährlich, dachten er sei bissig, weil Haltis aussehen wie Maulkörbe, doch gefährlich war er an und für sich nicht, doch sein Beschützerinstinkt und seine stürmische Art wirkten trotzdem oft bedrohlich auf andere.
Wir waren auch mal mit ihm in der Hundeschule, in der Hoffnung, dass wir dort das Problem der Leinenführigkeit bewältigen können - und das ist auch der Grund, wieso ich mit Bella KEINE Hundeschule besuchen werde. Meine Mutter brachte mich immer zum Training, doch das Training selbst absolvierte ich gemeinsam mit Jimmy. Der Hundtrainer war relativ entsetzt über Jimmys Verhalten und ging ziemlich rabiat mit ihm um, doch als er, an meiner rechten Seite gehend, Jimmy zu meiner Linken, mit der Leine auf meinen Hund einpeitschte und mich mit erwischte, war für mich das Thema Hundeschule erledigt, ein für alle Mal.
Ja, mein Jimmy war ein Wildfang. Gleichzeitig war er aber auch der sanfteste und liebste, große, schwarze Wildfang, den man sich vorstellen konnte. Er schlief eigentlich immer in meinem Zimmer, manchmal sogar in meinem Bett (zumindest bis ich eingeschlafen war - das Bett war ihm viel zu warm und er wollte wohl nur, dass ich beruhigt schlafe), und kümmerte sich rührend um mich, wenn es mir schlecht ging. Es gibt Kapitel in meinem Leben, Depressionen und daraus resultierendes Verhalten, das nur er mitbekommen hatte.
Einmal, als wir in einem Bungalow in Renesse Urlaub machten, habe ich eine Stange zwischen zwei Stühlen aufgehangen und bin mit ihm immer und immer wieder über diese Stange gesprungen - er stellte sich sehr geschickt an, ich nicht so wirklich, weswegen ich mich nach einer Weile ordentlich auf die Nase gelegt habe. Er kam sofort zu mir gelaufen und tröstete mich.
Den Strand liebte er, weil er dort kilometerweit ohne Leine laufen, Möwen jagen, in die Wellen springen oder Bällen hinterherrennen konnte.
Am 12. August 2008 musste er leider, viel zu früh, nach einigen Wochen Krankheit, eingeschläfert werden. Er starb in meinem Schoß. Mein Herz zerbrach in tausend Teile.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen