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Dienstag, 6. Oktober 2015

Frustrationstoleranz.

Zu unserer Schande muss ich sagen, dass wir das Frustrationstoleranztraining im Zuge unseres Umzugs und anderer Trainingseinheiten wie "Bei Fuß"-Übungen vernachlässigt haben. An Bellas Verhalten der letzten Tage, insbesondere bei den "Bei Fuß"-Übungen, war aber deutlich zu merken, dass das eine nicht ohne das andere funktioniert: Frustrationstoleranz muss zur gleichen Zeit wie alle anderen Übungen trainiert werden.

Doch was ist eigentlich Frust? 

Frust kennen wir Menschen nur zu gut. Wenn etwas nicht so läuft, wie wir es gerne hätten, werden wir wütend, ungehalten, stinkig - und genau so ist es bei Welpen, bzw. bei Hunden generell, auch: Sie werden stinkig. Hunde zeigen uns ihre schlechte Laune aber selbstverständlich anders, als wir Menschen sie zeigen. 

In Bellas Fall zeigt sich Frust beispielsweise bei Spaziergängen, wenn man sie von einem für uns übelriechenden Pferdemisthaufen weg holt, indem sie hoch springt und bellt und versucht, in die Arme zu zwicken. Das ist weniger ein Beißen als ein Zupfen in die richtige Richtung, ein Festhalten nach dem Motto "HAAAALLOOOOO! MENSCH, ich war noch nicht fertig, wir gehen da jetzt wieder hin! SOFORT!". Auch in der Wohnung kann ein Hund frustriert sein, wenn man gerade nicht mit ihm beschäftigt. Welpen wollen Action, wollen spielen und toben - und das geht eben nicht immer. So sind sie dann frustriert, klauen - wie Bella - benutzte Taschentücher oder wollen sonst irgendwie die Aufmerksamkeit ihrer Menschen auf sich ziehen. 

Welpen sind eben wie Kinder. Kinder machen auch Lärm, bauen auch Mist, wenn sie frustriert sind. Und genau wie Kinder müssen Welpen lernen, dass nicht immer alles so läuft, wie sie es gerne hätten.

Es gibt einige einfache Situationen, die Welpen frustrieren, sich aber gleichzeitig hervorragend eigenen, um ihre Frustrationstoleranz zu üben.

Gestern Nachmittag habe ich Bella ein Leckerchen vor die Nase gelegt - und ihr verboten, es sofort zu fressen. Im Laufe der nächsten Stunde (ja, eine ganze Stunde lang) kamen weitere, herrlich stinkige Leckerchen dazu, die ich allesamt an ihrer Nase vorbei vor sie auf den Boden legte. Innerhalb der ersten halben Stunde lag sie mit der Nase vor dem Leckerchenstapel. Die stupste dran, sprang auf, schlug mit der Pfote drauf, versuchte, mich leise anzubellen, sah aber schnell ein, dass das eine dumme Idee war, legte sich wieder hin, stupste - und bei jeder Berührung des Futters hörte sie ein "Nein" oder "Warte". Irgendwann legte sie sich zu mir auf die Couch, beobachtete ihre Leckerchen aber weiterhin. Mitten in der Übung kam Christian nach Hause - und die Übung lief einfach weiter. Sie hat ihn zwar begrüßt, doch nachdem er noch weitere Leckerchen auf den Stapel legte, stupste sie wieder daran herum. Nach einer Stunde habe ich die Übung aufgelöst. 

Auch die abendliche Fütterung haben wir zur Übung genutzt. Ein großer Napf Welpenfutter mit ein paar Stinkeleckerchen darin stand vor ihrer Nase - 20 Minuten lang durfte sie nicht dran. Sie ging drum herum, versuchte wieder, mich anzubellen, sah wieder ein, dass das doof wäre, legte sich schwanzwedelnd vor ihren Napf, schlich wieder um ihn herum. Als nach 20 Minuten das "Friss"-Kommando kam, war sie sichtlich erleichtert. 

Heute Morgen habe ich ihr direkt wieder ein Leckerchen vor die Nase gelegt - dieses Mal nur eines - und sie 30 Minuten darauf warten lassen. 

Während der Welpe wartet, kann man alle möglichen Dinge erledigen - weit von seinem Leckerchen entfernen, wird er sich nicht. Auch das Erledigen des Haushalts oder ähnlicher Dinge gehört zu den Sachen, die Welpen frustrieren können, da man sich ja nicht mit ihnen beschäftigt. Hier kann man also mehrere Frustrationsauslöser gleichzeitig herausfordern. 

Sonntag, 6. September 2015

Bella wird erwachsen.

Bella ist nun etwas älter als fünf Monate, bald fünfeinhalb Monate alt. Sie wird langsam erwachsen, entwickelt sich weiter, lernt dazu, testet aber natürlich auch ihre Grenzen innerhalb des "Rudels". Und sie wächst wie Unkraut.


Zwischen diesen beiden Bildern liegen sechs Wochen.

Besonders schön für uns ist, dass sie mittlerweile zwischen 7 und 9 Stunden pro Nacht schlafen kann - das ist zwar nicht jede Nacht so, aber es werden immer mehr Nächte, in denen sie so lange schläft. Sie schläft in unserem Schlafzimmer, einen großen Teil der Nacht über auf dem Boden oder zusammengerollt in ihrer Box, aber irgendwann, ich weiß nicht aus welchem Grund, stellt sie sich mit den Vorderpfoten auf unsere Matratze und möchte zu uns ins Bett krabbeln. Sie schafft es nicht, wenn sie todmüde ist, selbst ins Bett zu hüpfen, also hebe ich sie dann herein. Ja, Bella schläft inzwischen in unserem Bett. Sie verhält sich meistens sehr ruhig und wir haben das Gefühl, dass sie seitdem eine intensivere Bindung zu uns hat. 

Zudem verliert sie zunehmend mehr ihrer Milchzähne. Momentan fehlen ihr die unteren beiden Reißzähne - sie sieht gerade ein bisschen aus wie ein Vampir, da die oberen noch da sind. Zu schade, dass sie sich nicht überreden lässt, davon ein Foto zu machen. Leider scheint sie starke Schmerzen beim Zahnen zu haben, denn sie hat so ihre Momente, in denen sie sich ihre Pfoten über die Schnauze legt oder in denen sie auf allen möglichen Dingen herum zu kauen versucht (was sie sonst nicht in diesem Ausmaß gemacht hat). Sie scheint außerdem Probleme mit Leckereien wie kleinen Kauknochen zu haben, die ihr vorher keine Probleme bereiteten. Das Zahnfleisch ist leicht gereizt, aber natürlich hinterlässt jeder Milchzahn, den sie jetzt verliert, eine blutige Wunde. Hier und dort Blutflecken auf ihren Plüschtieren sind momentan also nicht so selten. So wie ihr Gebiss gerade aussieht, befinden wir uns im Endspurt des Zahnens. Gegen die Entzündungen bekommt sie stark verdünnten Kamillentee und außerdem Eiswürfel zur Betäubung des gereizten Zahnfleischs. 

Einen weiteren großen Fortschritt hat sie in Sachen Geduld gemacht: Die Konzentrations- und Geduldsaufgabe, die wir mit den Leckerchen auf den Pfoten geübt haben, funktioniert nun auch draußen. Ich habe sie schon mit ihr am Strand, auf Wiesen, auf Gehwegen geübt, sodass sie sich daran gewöhnt, auf verschiedensten Untergründen geduldig auf ihr "Friss"-Kommando zu warten. 
Diese Übung hilft uns auch, ihre "Spielattacken" in den Griff zu bekommen. Leider hat sie immer noch diese Eigenheit (dieses Verhalten wird aber langsam seltener), dass sie an jemandem hochspringt und in die Kleidung oder sonstige greifbare Dinge zu beißen bzw. zu zwicken (ein richtiger Biss ist das nicht), um zum Spielen aufzufordern. Bringt man sie aus dieser Situation in ein "Platz" und sorgt dann dafür, dass sie sich auf die Leckerchen konzentriert, beruhigt sie sich wieder: Ihr Puls wird langsamer, die Atmung ruhiger. 
Dass wir dieses Verhalten unterbinden soll jetzt nicht heißen, dass wir nicht mit ihr spielen, nein. Es gibt bloß Regeln für das Spielen mit Menschen, die einschließen, dass Klamotten und Menschenhaut zu empfindlich sind, um herein zu beißen. Da sie die Beißhemmung leider nicht früh erlernt hat, ist es ein hartes Stück Arbeit, sie noch nachträglich dazu zu lernen. Eigentlich ist die Beißhemmung ja etwas, das Welpen bis zur 12. Lebenswoche von ihrer Mutter lernen oder aber kurz darauf vom "zuständigen" Menschen. Nunja, wir schaffen das schon. Zumindest machen wir tolle Fortschritte. 

Auch Bellas Fell hat sich in den vergangenen Wochen stark verändert. Es wird länger und fühlt sich glatter an, sie hat weniger Welpenflaum und die bessere Ernährung führt dazu, dass es sich nicht mehr strohig anfühlt. 

Mittwoch, 26. August 2015

Konzentrationsübungen.

Ich bin so stolz auf sie!

Dass unsere Bella ein kleiner Wildfang ist, habe ich schon mehr als ein Mal erwähnt. Dass man Australian Shepherds wegen ihrer wilden Art zu Ruhe, Geduld und Konzentration erziehen muss, vermutlich auch.

Aber wie bringen wir Bella, die ganz offensichtlich ein rassetypischer Australian Shepherd ist, mehr Ruhe, Geduld und Konzentration bei?

Vorne weg: Jede Übung, die man mit dem Welpen anfängt, stärkt zudem die Bindung des Welpen zu seinem/seinen Menschen - wenn er im Anschluss an verpatzte Übungen nicht harsch ausgeschimpft oder gar körperlich schmerzhaft gemaßregelt wird. Eine körperliche Maßregelung wegen eines unverstandenen "SITZ"-Kommandos wird der Welpe im Leben nicht verstehen. Jede Übung, die von Erfolg geprägt ist, merkt sich der Welpe - das heißt jedoch nicht, dass der Welpe die Übung, sobald sie ein Mal funktioniert hat, perfekt beherrscht. Ein Welpe braucht viele, teilweise hunderte, Wiederholungen, um seine Übung sozusagen im Schlaf zu beherrschen. Je öfter man eine Übung wiederholt, desto leichter wird sie dem Welpen also mit der Zeit fallen. Und je besser die positiven Feedbacks, also die Belohnungen für eine richtig ausgeführte Übung, sind, desto heißer ist der Welpe darauf, die Übung richtig auszuführen. "Qualitätsleckerchen" und "Jackpots" eignen sich hervorragend für die frühe Lernphase einer neuen Übung. 

Wir haben vor ungefähr 2 Wochen mit folgender Übung zur Konzentrationsstärkung angefangen:

Bella legt sich auf das Kommando "PLATZ" hin, möglichst ruhig und entspannt. Sobald sie liegt, beginnen wir, ihr verschiedene, möglichst gut stinkende Leckerchen (Bellas persönliche Qualitätsleckerchen) nach und nach auf ihren Vorderpfoten oder sonst irgendwo direkt vor ihrer Nase zu platzieren. Sobald sie sich einem Leckerchen zuwendet und es auffressen will, folgt ein "NEIN" oder "WARTE". 

Am Anfang hat sie ein oder zwei Leckerchen auf jeder Pfote geschafft. Und heute? Ja, heute hat unsere Kleine den absoluten Jackpot geknackt. 15 Leckerchen! Auf das Auffressen dieser 15 wunderbar stinkigen Leckerchen hat sie ungefähr 5 Minuten gewartet (schließlich wollte ich ja noch ein paar Fotos von ihr schießen).

Bella, 5 Monate alt, 15 Leckerchen, 5 Minuten Wartezeit.

Und eigentlich spielt man ja mit Essen nicht... Eigentlich. Aber bei Futterspielen wie diesem darf man da wohl mal eine Ausnahme machen. Weil ich selbst langsam wieder etwas verspielt werde, habe ich sie nach den 15 Leckerchen noch auf dieses aus Leckerchen gelegte "B" (das logischerweise für Bella steht) warten lassen. Geduldig wartete sie weitere 5 Minuten, bis ich es endlich geschafft hatte, ein nach einem "B" aussehenden Buchstaben zu kreieren, den sie dann verputzen durfte.
Bella und das "Bella-B"
Bellas Konzentrationsfähigkeit hat sich in den letzten 2 Wochen also enorm gesteigert. Ich habe die Hoffnung, dass uns das sehr von Nutzen sein wird, wenn wir ihr weiter die Beißhemmung beibringen und sie daran hindern, in die Leine zu beißen.