Bella ist mein erster Welpe und Christians erster Hund. Bei Jimmy, meinem ersten, sanften aber bescheuerten Riesen, hatte ich kein Problem damit, ihn abzuleinen: Er lief zwar dann und wann gerne mal ein paar Meter zu weit weg, kam aber immer zurück (wenn es auch mal etwas länger dauerte). Jimmy war das Leben draußen offenbar gewohnt, da er wohl mehr als einmal von einer der Familien, die ihn kurzzeitig aufgenommen hatten, weggelaufen war, bevor wir ihn aus dem Tierheim holten.
Bei Bella bin ich jedoch eine Glucke. Eine absolut unsichere, den Hund am liebsten nie loslassen wollende und kontrollierende Glucke. Ich habe Angst, dass sie nicht mehr zurück kommt, wenn ich sie ableine und sie ihre Umgebung erkundet. Angst, dass sie irgendeinen Mist frisst, wenn sie alleine durch ein Gebüsch rennt - und der Mist giftig sein könnte. Angst, dass sie vor ein fahrendes Auto rennt oder versucht, Autos hinterher zu jagen. Angst, dass sie einen Menschen anspringt, der Angst vor Hunden hat oder aber ein Hundehasser ist.
Am Strand in Renesse waren zumindest einige dieser Punkte nicht gegeben - dort waren keine fahrenden Autos vorhanden, keine vielbefahrene Straße war in der Nähe, außerdem konnte sie sich an Johnny orientieren, den sie kaum aus den Augen lassen wollen würde. Hier in Mettmann jedoch sind diese Ängste eher präsent und außerdem ist Johnny nicht immer mit uns draußen.
Aber heute waren wir mit ihr auf einem Feld, daneben entlang führt ein etwas matschiger, aber trotzdem gut begehbarer Weg in Richtung eines Waldstücks. Das Feld liegt zwar an einer vielbefahrenen Straße, wenn man allerdings weit genug in Richtung des Waldes geht, sieht man nichts mehr von den Autos und hört sie kaum noch. Angstauslöser umgangen!
Wir übten zunächst mit der langen Flexileine, die wir kürzlich gekauft haben, das Zurückkommen auf Ruf oder Pfiff. Die Leine ist ungefähr 8 Meter lang und wir üben das Rückrufen immer wieder, wenn wir mit ihr unterwegs sind. Da das mittlerweile ganz gut klappt, waren wir besonders mutig und leinten sie ab - und siehe da, Bella lief nicht allzu weit weg und orientierte sich dauerhaft an uns. Sie reagierte auf ihren Namen und auf Pfiffe, wenn auch bei mir etwas besser als bei Christian, vermutlich weil wir dadurch, dass Christian tagsüber im Büro ist, mehr Zeit miteinander verbringen und sie etwas mehr auf mich fixiert ist als auf ihn, und lief uns nicht davon.
Sie beschnüffelte aufgeregt ihre gesamte Umgebung: Das Feld, das nach Mäusen und anderen Tieren roch, Maulwurfshügel, sämtliche Gebüsche wurden inspiziert, eben so wie die Wiese und der Grillplatz vor dem Spielplatz des Waldgebietes. Sobald wir aber aus ihrer Sicht zu weit weg waren, lief sie uns automatisch wieder hinterher. Es soll sich hierbei um eine Eigenheit von Hütehunden halten - die starke Orientierung an ihren Haltern bzw. an ihrem Rudel oder ihrer Herde - aber ich glaube, dass das bei jedem Welpen oder Hund, der sich mit seinen Menschen wirklich wohl fühlt und eine Bindung zu ihnen hat, so ist. Zumindest kommt er früher oder später zurück und wird nicht auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Ablenkungen führen natürlich dazu, dass der Welpe oder Hund sich mehr Zeit lässt, um wieder zurück zu kommen, aber da muss dann der gluckenhafte Halter (also ich...) durch.
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